Es wird langsam spannend: Bald kommt Google’s Farmers Update (a.k.a. Big Panda) auch nach Deutschland. Aber wen wird es treffen und wie entgeht man dem drohenden Ranking-Verlust womöglich noch in letzter Minute?
Mich treibt seit dem Update in den USA besonders die Frage um: An welchen Faktoren macht Google die Abstrafung fest? Oder anders ausgedrückt: Wie misst man ‘echten Mehrwert’ bzw. inhaltliche Qualität überhaupt algorithmisch?
Oder ist dies garnicht der Fall…
Spätestens seit Johannes Beus a.k.a. SISTRIX, in seiner Session zur Anatomie seines genialen Linkbaits auf der diesjährigen SEO CAMPIXX ebenfalls derartige Vermutungen geäußert hat, gehe ich fest davon aus, dass es sich nicht um eine rein algorithmische Lösung des “Problems” handelt…
Aber Moment mal, welches Problem eigentlicht?
‘Echten Spam’ hat Google angeblich mittlerweile ganz gut im Griff. Aber uniquer, redaktioneller Content, der auf den ersten Blick gut geschrieben, aber im Kern von minderwertiger Qualität ist, also dem User nicht wirklich hilft und dann noch auf linkstarken Seiten publiziert wird, “verstopft” (laut Google) die Rankings bei häufigen Suchanfragen und hilft dem User nicht wirklich bei der Problemlösung, sondern zielt alleine auf maximale Reichweite + Werbeerlöse ab. Ein schönes Geschäftsmodell, soviel ist klar.
Klar ist auch: Google steht, gerade in den USA, seit einiger Zeit im Kreuzfeuer der Presse, was die angeblich schlechter werdende Qualität der Suchergebnisse angeht. Hier musste Google also handeln, alleine schon, um PR-Technisch dem etwas entgegen zu setzen.
Und wie löst Google das Problem?
Die Frage ist also: “Wie misst man echten Mehrwert?”. Die Kollegen von SEOmoz haben bereits festgestellt: Backlinks scheinen keine Rolle gespielt zu haben!
Eine rein algorithmische Beurteilung von Textqualität ist nach Meinung vieler Experten mit heutiger Technik nicht ohne Weiteres möglich, also wieso sich nicht der Nutzerdaten bedienen, die Google ohnehin zur Verfügung stehen?
Die meisten, der in den USA betroffenen Seiten haben auffällige Gemeinsamkeiten:
- Sehr aufdringliche Werbung auf CTR optimiert
- Kein besonders liebevolles Layout oder besonders vertrauenswürdiges Aussehen
- Liefern oft keinen echten Mehrwert, also nach dem Lesen des Artikels bleiben Fragen offen
Dies führt, bezogen auf die Userdaten welche Google erheben kann, zu relativ hohen Bounce Rates und vielen “Refined Searches“, also erneuten oder gezielteren Suchen bei Google zum selben Thema. Die Verweildauer auf der Seite selbst, sollte ebenfalls nicht allzu groß sein…
In einem Interview der WIRED mit Matt Cutts und Amit Singhal bestätigt Cutts teilweise diese Vermutungen, denn der neue Algorithmus wurde (angeblich) ausgehend von Fragen wie:
“Do you consider this site to be authoritative? Would it be okay if this was in a magazine? Does this site have excessive ads?”
trainiert und dessen Ergebnisse in einer Testgruppe anschließend von Benutzern verifiziert mit Fragen wie:
“Would you be comfortable giving this site your credit card? Would you be comfortable giving medicine prescribed by this site to your kids?”
Es geht also ganz klar in Richtung: Subjektive Wahrnehmung und letzlich den TRUST DER USER!
Aber reicht das alleine schon aus, um massenhaft Seiten ihrer Sichtbarkeit zu berauben?
Man könnte also folgendes Vorgehen unterstellen:
Es wird auf Basis von User Daten eine Liste, der in Frage kommenden Domains algorithmisch erstellt, aber das Penalty muss anschließend manuell bestätigt werden.
Google hat selbst bestätigt, dass es eine Reihe von sog. ‘false positives’ gab, also Domains die von dem Algorithmus fälschlicherweise erfasst wurden, aber nicht abgestraft wurden.
Dies führt mich zu einer Vermutung:
Ein Redesign hilft womöglich und kann ggf. das Zünglein an der Waage sein, dass die Domain auf die Seite “der Guten” zieht, während die lieblosen Seiten im schlechten Töpfchen landen
Ein anschauliches Beispiel: ehow.com vs ezinearticles.com
Wenn man sich beide Seiten anschaut, kann man einen deutlichen Unterschied in Sachen Seriosität, Liebe für’s Detail und grafische, wie typographische Gestaltung feststellen. Auch die Werbeeinblendungen sind bei eHow.com deutlich dezenter eingebunden, für meinen Geschmack sogar zu dezent, so dass ich die auf den ersten Blick gar nicht als Google Ads wahrgenommen habe.
Wenn Google seine Entscheidung für die deutschen Seiten nicht ohnehin schon gefällt hat, kann man hier vielleicht durch einen grafischen Relaunch und durch Überarbeitung der “schlimmsten” Artikel eine Menge reißen. Den Versuch ist es allemals wert, vorallem wenn das Update tatsächlich nur eine einmalige Aufräumaktion zu PR-Zwecken seitens Googles ist.
Als aktuelles und sehr anschauliches Beispiel fällt mir hier der wirklich gelungene grafische Relaunch von GuteFrage.net ein:
Achtung: Ich denke nicht, dass gutefrage.net vom Panda-Update betroffen sein wird und auch nicht, dass es sie ohne das Facelift erwischt hätte. Aus meiner Sicht bietet die Plattform einen klaren Mehrwert und ist zu 100% User generated Content von Nutzern für Nutzer.
Der wirklich hübsche Relaunch soll hier lediglich als Beispiel dienen, wieviel der optische Eindruck doch ausmacht! Ich selbst nehme die Plattform jetzt als deutlich hochwertiger und seriöser war – ohne dass sich der Inhalt in irgendeiner Form verändert hat!
Was meint Ihr? Kann man durch einen neuen Anstrich einer drohenden (manuellen) Penalty entgehen? Ist es dafür schon zu spät? Oder glaubt ihr Google, dass es sich um einen Algorithmus handelt, der dauerhaft und automatisiert ausmistet?





Ganz klares Jein.
Gutes Design kann auf lange Sicht nicht über minderwertigen Content hinweg helfen. Selbst wenn man das 10fache für Design ausgibt als sonst, wird der Inhalt nicht besser.
Kurzfristig werden sich die Bounce Rates zwar reduzieren, weil sicherlich auch viel in Richtung Usability optimiert wird, wenn es um Redesign geht aber wenn der Inhalt nicht wirklich dem Gesuchten entspricht, werden die User auch wieder beginnen neue Suchen zu initieren.
Derzeit könnte das sicherlich klappen, weil ich mir vorstellen könnte, dass Google _aktuell_ noch keinen 100%ig funktionsfähigen Algo hat, der das sauber kalkuliert und sie zur Sicherheit noch einige Quality Rater drüberschauen lassen. Da kann ein frisches ansprechendes Design erstmal helfen.
Just my 2ct
Hallo !
Schön zusammen gefasst. Aber mal ehrlich. Egal wie man dreht oder wendet am Ende landen wir bei dem was für den Nutzer das Beste ist. Ich Frage mich wirklich immer, was die ganzen Websitebetreiber da draussen die letzen Jahre gemacht haben. Es ging doch nie um etwas anderes. Die ganzen Leute, die jetzt ängstlich zuckend in der Ecke sitzen und auch den Hammer warten, haben vor Jahren schon nicht richtig hingehört. Auch wenn es früher noch ging, so besteht die Kunst in der Suchmaschinenoptimierung doch auch darin die Zeichen der Zeit Früh zu erkennen. Das zum Satz den man immer wieder auf Konferenzen hört. Von wegen nichts Neues gehört. Die meisten hören überhaupt nicht zu. Die brauchen anscheinend ihre Aufmerksamkeit für die Angst vor Farmermun Co.. Letztes Jahr die 0815 Affiliate Sites heute das Contentschüttelsterben. I like.
Winkewinke
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen
Schöner Artikel. Wobei ich denke, dass auch ein Redesign jetzt nichts mehr bringt. Ich finde Johannes Argumentation absolut plausibel, dass es sich letztlich um eine manuell erstellte Liste handelt.
Spannend finde ich an der Sache, wie Google sich anmaßt, Qualität zu beurteilen. Wenn ich das recht verstehe, dann müssen die Farmer-Seiten deshalb manuell abgestraft werden, weil alle normalen Signale die Seiten als “gut” ausgeben. Nur dass sie eben Matt und seinem Team nicht gefallen. Im Grunde ist das Farmer-Update eine Art Bankrott-Erklärung von Google: sie haben es jahrelang versucht, Algorithmis zu lösen. Leider haben sie es nicht geschafft, also gehen sie nun manuell ran…
Ich bin der Meinung, dass eine “manuelle Liste” der Anfang ist um Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und daraus einen Algorithmus abzuleiten.
Ich weiss, dass auch einige der Meinung sind, dass dies der Anfang vom Ende ist
Hallo Kai,
schöne Zusammenfassung zu dem Thema. Ich glaube allerdings, dass Google einen algorithmischen Ansatz gefahren ist. Wahrscheinlich wurde ein Set aus Seiten manuell ausgewählt und dann im nächsten Schritt ein Muster innerhalb der negativen Seiten gesucht. Klar bedeutet das viel, viel Arbeit und die Googler mussten auch einiges an Statistikwissen mitbringen aber das können sie ja. Mustererkennung funktioniert auch bei Spam und die Frage ist eigentlich nach welchen Signalen geprüft wurde.
Hi,
das mit der manuellen Bestätigung der Penalty ist ein interessanter Gedanke.
Was ich ich mich nur gerade spontan frage: Wie kommt es dann, dass (angeblich) auch eine menge Seite und Blogs von Panda Update betroffen sind, die es eigentlich nicht hätte treffen dürfen / sollen.
Google hat ja extra ein Thread im in ihrem Forum aufgemacht wo sich Webmaster melden können, die (ihrer Meinung nach) fälschlicher Weise abgestraft wurden.
Das würde sie ja nicht machen, wenn jede Seite manuell geprüft hätten, um somit 100%ig sicher zu gehen, dass es nur die richtigen trifft.
Das finde ich irgendwie unlogisch….
Ich denke nicht das ein Relaunch hilft, dem Farmer-Update zu entkommen. Auch answerbag.com hat eine ansprechendes Design und treue Nutzer und es hat ihnen trotzdem nichts genutzt.
Ich habe hier einmal die betroffenden Seiten auf ein anderes, viel naheliegenderes Signal hin untersucht, und konnte dabei erstaunliche Parallelen finden: http://bit.ly/dUaAwZ
Sehr spannender Punkt Bert!
Bin gespannt, was die Auswertung der betroffenen Webseiten in UK, DE, etc angeht.
Wenn dort ähnliche Parallelen auftreten, könnte das tatsächlich ein Faktor sein.
Sehr feiner und spannender Artikel, Kai!
Ich glaube, dass gutes Design zu gutem Content dazugehört, die beiden Elemente können sich gegenseitig unterstützen. Aber Design ist halt trotzdem oberflächlich und kann keine guten redaktionellen Inhalte ersetzen…Nicht lang
“Aus meiner Sicht bietet die Plattform (gutefrage.net) einen klaren Mehrwert und ist zu 100% User generated Content von Nutzern für Nutzer.”
Sorry, sehe ich überhaupt nicht so. Was die “selbsternannten” Experten dort in bestimmten Bereichen für Antworten geben, ist echt unglaublich schlecht. Und der Fragesteller nimmt das dann für bare Münze. Ich behaupte einfach mal, dass mind. 2/3 des gutefrage.net Contents von extrem schlechter Qualität ist und eigentlich sofort abgestraft gehört. Zudem finde ich die “Linkpartner”-Strategie bzw. Vorgehen von gutefrage.net echt perfide…
+1
Netter Artikel, vielen Dank!
Lohnt es sich dann zukünftig weiterhin, “dreckige Affiliate-Seiten” hochzuziehen, sofern es nur “eine einmalige Aufräumaktion zu PR-Zwecken seitens Googles ist.”??
VG und auf Bald,
Phil