Zerstört Amazons Onsite Associates Program andere Affiliate-Publisher?

Affiliates aufgepasst: Amazons neues Onsite Associates Program könnte so einige Affiliate-Publisher zu wirklich reichen Menschen machen – für den Rest wird es allerdings überhaupt nicht angenehm. Denn Amazon hat nach den USA nun auch in Deutschland ein Programm gestartet, mit dem Publisher ihre Inhalte auf Amazon.de ausspielen können. Richtig gehört! Externer Affiliate-Content direkt auf Amazon.de!

Der feuchte Traum jedes Amazon-Affiliates – allerdings ist das Programm streng „invite-only“. Also wenn man sich nicht durch konstant hochwertigen Traffic und eine besonders gute Partnerschaft mit sehr hochwertigen Inhalten in die Aufmerksamkeit der Amazon-Affiliate-Manager bringt, schaut man ziemlich sicher bald in die Röhre. Denn das Amazon Onsite Associates Program startet gerade auch bei uns hier in Deutschland!

Ich habe mir den Stand in den USA einmal näher angesehen und mir Gedanken gemacht, was das für Amazon-Affiliate-Partner, aber auch generell für alle SEO-Affiliates in Deutschland bedeutet.

Was ist das Onsite Associates Program eigentlich?

Offenbar haben einige Publisher bereits seit Monaten nach einer Möglichkeit gefragt, ihre Inhalte auf der Amazon-Plattform zu monetarisieren. Diese haben wohl Inhalte für die Echo-Produkte produziert, ohne dafür von Amazon eine Gegenleistung zu erhalten. Daraufhin führte Amazon einen Test mit einer kleinen Gruppe von Publishern durch, bei dem kommerziell-orientierte Artikel von Publishern direkt auf der Amazon-Website zugänglich gemacht wurden. Das neue Onsite Associates Program ist offenbar schon der zweite Versuch des E-Commerce-Giganten, das ständig wachsende Affiliate-Publishing-Netzwerk in seine eigene Plattform zu integrieren. Der erste Versuch war Amazon Spark und nach meinem Kenntnisstand wenig erfolgreich.

Nun nimmt Amazon mit dem Onsite Associates Program einen neuen Anlauf und ich glaube, diesmal wird es wirklich gigantischen Erfolg haben. Denn die Art und Weise der Einbindung hat mich wirklich überrascht: Diese Artikel der Publisher können offenbar nicht nur über die Google-Suche gefunden werden, sondern werden auch über die interne Amazon-Suche bei bestimmten Keywords ausgespielt!

Auf Amazon.com findet man aktuell folgende Erklärung:

Content creators participating in the Onsite Associates Program earn affiliate commissions from Amazon for qualifying purchases.

What is the Onsite Associates Program?
The Onsite Associates Program is an extension of the Amazon Associates (affiliate) program, that brings product-related content from third-parties onto Amazon to help customers research and discover products they might be interested in.

Where does this content come from?
This content has been syndicated from content creators’ websites who have been invited to participate in this program.

Does Amazon validate or express the opinions made in the content?
No. The views and opinions expressed in the content are those of the content creator, not Amazon. Amazon does not influence which products are mentioned within the content. All opinions, recommendations and product claims are those of the content creator, not Amazon. If a vendor/seller believes content is inaccurate or unrepresentative of their brand, we would encourage the vendor/seller to engage directly with the content creator to address any concerns.

Wie sieht es aus?

Auf der US-Website von Amazon unter amazon.com kann man die Integration der Inhalte bereits live sehen. Hier ist beispielsweise der Artikel „Gaming keyboards that will take you from epic to legendary“ vom PopSci-Commerce-Team:

Artikel von Popular Science im Amazon Onsite Associates Programm
Artikel von Popular Science im Amazon Onsite Associates Program

Natürlich sind innerhalb des Artikels diverse Amazon-Produkte sehr prominent eingebunden und Käufe darüber werden dem Publisher (wenn auch wahrscheinlich mit deutlich geringeren Provisionen als im regulären PartnerNet) prozentual vergütet:

Amazon Produkte im Artikel von Popular Science
Amazon-Produkte im Artikel von Popular Science

Damit aber nicht genug, denn Amazon setzt diese Inhalte wirklich erstaunlich prominent in Szene. Wenn man einfach nach einem Keyword wie „Keyboard“ sucht, erscheint innerhalb der Suchtreffer folgender Eintrag:

Editorial recommendations by Popular Science aus dem Onsite Associates Program
Editorial recommendations by Popular Science aus dem Onsite Associates Program

Hier kann man nun über den „Read full article“-Link auf die Artikel-URL gelangen, aber der Publisher kann direkt im Suchergebnis prominent drei Produkte zu diesem Keyword empfehlen, welche im verlinkten Artikel empfohlen wurden.

Ohne die genauen Details zu kennen, gehe ich davon aus, dass der Publisher hier eine (wahrscheinlich prozentual geringe) Provision erhält, wenn aufgrund seiner Empfehlung der Kunde eines der drei Produkte kauft.

Welches Ziel verfolgt Amazon mit dem Onsite Associates Program?

Für Amazon ist die Sache aus meiner Sicht aus mehreren Gründen sehr interessant.

  1. Schließlich bekommt der E-Commerce-Riese so hochwertige redaktionelle Inhalte auf seine Plattform. Diese Inhalte tragen aus meiner Sicht trotz der gewaltigen SEO-Power von Amazon zu einer weiteren Steigerung der Sichtbarkeit in den Suchmaschinen wie Google und Co. bei, denn diese Inhalte bedienen einen anderen User-Intent als reine Kategorie- oder Produktdetailseiten. In Testberichten und Kaufempfehlungsartikeln wird der Nutzer bei der Auswahl des – für ihn – richtigen Produkts an die Hand genommen. Statt sich selbst durch die Produktliste bei Amazon und die vielen (gefälschten) Bewertungen zu klicken, kann sich der Käufer auf die (hoffentlich ehrliche) Empfehlung eines (hoffentlich seriösen) Publishers verlassen.
  2. Darüber hinaus haben diese Inhalte aus meiner Sicht eine konversionssteigernde Wirkung auch für reguläre Nutzer der Amazon-Websites und -Apps, denn auch hier wirkt die redaktionelle Empfehlung sicherlich als Wegweiser im Dickicht des Produktlisten-Overkills. Daher ist es auch nur logisch, diese Inhalte dem Nutzer (etwas weiter unten) in den eigenen Suchergebnissen bei Amazon anzuzeigen.
  3. Weniger Absprünge/Verluste.

Welche Auswirkungen wird das Onsite Associates Program für Affiliates haben?

Das ist aus meiner Sicht relativ klar:

Entweder ich habe als Publisher das Glück, in der Vergangenheit bereits erfolgreich mit Amazon zusammengearbeitet zu haben, und werde in das Onsite-Programm aufgenommen. Dann kann ich meine Inhalte nun in recycelter Form auf Amazon zum Ranken bringen und über die internen Traffic-Ströme wahrscheinlich sehr gutes Geld ohne großen Aufwand verdienen.

Oder ich komme nicht in das Programm, dann schaue ich, wie viele andere Publisher, in die Röhre. Denn weniger Absprünge in der Google-Suche bedeuten weniger Potenzial, mit Kaufempfehlungen oder Preisvergleichen Umsätze zu generieren. Das heißt, ich mache potenziell weniger Affiliate-Umsätze. Gespannt bin ich darauf, ob das Thema auch Google Shopping und die üblichen Preisvergleicher trifft.

Aktuell konnte ich übrigens noch keine Inhalte aus dem Onsite Associates Program im Google-Index finden, aber zahlreiche Berichte in den USA behaupten, dass es wohl ginge. Ich empfehle an dieser Stelle folgende Artikel:

What Does Amazon’s Onsite Associates Program Mean for Publishers?

‘They revel in keeping it messy’: Amazon’s Onsite Associates program is rewarding, but risky for publishers

Was denkst Du? Was wird passieren? Chance oder Risiko? Sag es mir in den Kommentaren!

  • Kai Spriestersbach gehört mit mehr als 15 Jahren Online-Marketing-Erfahrung zu den erfahrensten Suchmaschinen-Marketern in Deutschland. Der studierte Bachelor of Science in E-Commerce hat sich auf die strategische Beratung sowie Ausbildung und Weiterbildung in Digitalem Business sowie Web- und Suchmaschinen-Technologien spezialisiert. Als Dozent ist er sowohl für die 121WATT – School of Digital Marketing & Innovation als auch für die Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt im Fachbereich E-Commerce tätig. Daneben unterstützt Kai Spriestersbach gerne innovative Startups, ist als Affiliate-Publisher tätig und entwickelt und vermarktet digitale Produkte im Bereich WordPress, SEO und Online-Marketing.

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Claas
Gast
Claas

Das Onsite Associates Program Klingt für mich nicht nach einer langfristig orientierten Lösung für Publisher. Wenn man daran teilnehmen kann, denke ich ist es super wichtig seine Kanäle zu diversifizieren, Amazons Plattform als kurzfristige Lösung zu betrachten und die Gewinne vielleicht in das eigene Wachstum zu investieren. Man sollte meiner Meinung nach immer vor Augen haben, dass Amazon die oben genannten eigenen Ziele verfolgt und Konditionen ohne Rücksicht der Entwicklung anpasst.

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Zerstört Amazons Onsite Associates Program andere Affiliate-Publisher?

von Kai Spriestersbach Lesezeit: 5 min
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