Konferenz: Die Highlights der BrightonSEO September 2019

Wenn man eine günstige aber inhaltlich starke SEO-Konferenz mit ein bisschen Entspannung verbinden will, bietet sich die BrightonSEO an der Südküste Englands an. Vorgenommen habe ich mir die BrightonSEO schon öfters, nun hat es endlich geklappt!

Die zweimal jährlich stattfindende Konferenz hat es zu beachtlicher Größe gebracht und zieht mittlerweile Teilnehmer aus 50 Ländern an. Noch dazu ist der gesamte Trip relativ günstig machbar, denn es gibt für jedes Event ein großes Kontingent an Gratis-Tickets. Allerdings verbunden mit dem Risiko bei der Verlosung leer auszugehen, was bei gebuchtem Flug und Hotel blöd wäre. Daher habe ich mich für das Friend-Ticket für 149 Pfund entschieden, dass man im Vorverkauf sogar für nur 100 Pfund erstehen kann. Zu diesem sehr günstigen Preis bekommt man reservierte Sitzplätze und ein eigenes WLAN, das anders als das große Konferenz-WLAN nicht ständig zusammenbricht, durch die parallele Nutzung bei mehr als 4.000 Teilnehmern.

Meine Highlights aus diesem Jahr

Hier ein paar Eindrücke von der Veranstaltungslocation, dem Brighton Centre:

1. Greg Gifford: Beetlejuice’s Guide to Entities and the Future of SEO

Greg Gifford ist VP of Search bei wikimotive, einer SEO-Agentur mit Spezialisierung auf Autohändler. Greg ist spätesten seit seiner Keynote auf der SMX 2018 in München auch in Deutschland dafür bekannt, dass er fast für jede Situation ein Filmzitat parat hat und so sind auch seine Präsentationen vollgepackt mit Hommagen an unzählige (meist trashige) Filme.

Seine Aussagen, Entitäten wären überall, im SEO geht schon es schon immer um Entitäten und Entities are the basics of SEO kann ich noch folgen. Dann aber sagt er, das Mobile first = Entity First bedeute und Local SEO ja schon immer Entity First war und leitet daraus ab, dass Links von Local Entities megagut ziehen. Dahinter verberge sich ja ein echtes Geschäft in der richtigen Welt. Naja schon klar, aber ein Online-Only-Business hat doch auch ohne Ladengeschäft Relevanz und Vertrauen beim Nutzer… Aber Greg geht noch weiter: Er sagt Local Content helps, even if unrelated to your business?! Wieso gerade also Local SEO das neue SEO sein soll, will mir nicht ganz in den Kopf.

Dann wird es wieder besser: Er zeigt, dass es wichtig ist als Unternehmen, seine Daten bei Google MyBusiness im Auge zu behalten, denn man kann mit sehr guten Fotos die von Nutzern hochgeladenen verdängen und auch über die noch junge Google Posts Funktion gut werbliche Inhalte in den lokalen Suchergebnissen platzieren.

Aufpassen muss man in Sachen Reviews sowie bei den Questions & Answers, denn schließlich kann dort jeder Fragen stellen und diese auch beantworten!!! Upvotes bestimmen dann, was oben ist! Das führt gerne mal dazu, dass besonders lustige Sachen ganz oben landen. (Beispiele dazu findet ihr in den Folien.

Total spannend fand ich den Hinweis auf eine neue Funktion: In den sogenannten Pre-Site FAQ lassen sich offenbar Listen von Fragen und Antworten hochladen, die dann in Google Suggest dem Nutzer vorgeschlagen werden und wohl auch in der Sprachsuche zur Beantwortung von Nutzerfragen dienen! Diese Funktion ist meines Wissens nach in Deutschland noch nicht verfügbar, oder?


Insgesamt ein unterhaltsamer Vortrag, aber ich bezweifle, dass local SEO derart wichtig wird, aber Greg hat dennoch einige spannende Punkte rüber gebracht. Vielleicht kommt so ein Vortrag aber auch heraus, wenn ein local SEO Spezialist einen Vortrag über die Zukunft des SEOs halten soll/will?

Was meint ihr?

2. Tim Soulo: Rethinking The Fundamentals of Keyword Research With The Insights From Big Data

Tim Soulo ist CMO & Product advisor bei ahrefs, einer sehr geilen SEO-Toolbox, die ich selbst auch für meine Keyword Research und als Quelle für Backlinkdaten heranziehe. Tim hat, natürlich anhand von Daten seines Tools ein paar sehr wichtige Grundlagen erklärt, die bei der Analyse und Auswahl der richtigen Keywords extrem wichtig sind. Er trennt, wie ich auch in Traffic Potential, Business Potential und Ranking Potential. Eigentlich ziemlich basic, aber jeder der ne ordentliche Keyword Research machen will MUSS diese Unterschiede kennen.


Sehr spannend fand ich noch den Hinweis auf die ‘Also Rank For’-Studie von ahrefs. Darin haben sie analysiert, wieviel SEO-Traffic man eigentlich insgesamt bekommt, wenn man auf Platz 1 für ein Keyword ist. Denn bist du auf #1 für ein Keyword, rankst Du wahrscheinlich für 1.000 weitere Suchanfragen, der Long Tail ist häufig wirklich gigantisch! Das beobachte ich auch immer wieder und halte das Thema Long Tail SEO nach wie vor für eines der am meisten unterschätzten Hebel.

3. Jan-Willem Bobbink: What I learned about SEO from using the 10 most used JS frameworks

Nachdem ich einen ganzen Tag schon im Advanced JavaScript SEO Training saß, gab es hier nicht mehr viel Neues für mich. Kurz zusammengefasst kann man sagen:

Do not trust Google for rendering YOUR content on THEIR side – Always go 100% #SSR if you care about #SEO!


4. Carrie Rose: Wie man sexy E-Mails verschickt, um sexy Links mit PR-Arbeit zu bekommen

Carrie Rose ist Mitbegründer von Rise at Seven, einer kreativen SEO-Agentur, die sich auf Content-Marketing- und digitale PR spezialisiert hat. Ihre Spezialität ist es, mit verhältnismäßig kleinen Budgets Links aus den größten Medienportalen in den UK aufbauen. So konnte Carrie in den letzten Jahren hunderte von Links von den größten Publikation mit einem winzigen Contentbudget bauen. Wie das genau funktioniert, hat Carrie Rose in einer sehr guten Präsentation vorgetragen, die man auch ohne im Vortrag gewesen zu sein, sehr gut nachvollziehen kann:


5. Highlight Brighton = SEO + Entspannung

In Sachen Entspannung gibt es einiges zu bieten. Die gesamte Atmosphäre der Stadt ist total entspannt und locker. Aufgrund seiner kosmopolitischen Anmutung wird Brighton auch als „London by the Sea“ bezeichnet. Die Stadt Brighton ist das größte und bekannteste Seebad im Vereinigten Königreich und bietet einen fantastischen Meerblick von einer der vielen Hotels mit direkter Strandlage. Auch die Restaurantszene und das Nachtleben ist sehr abwechslungsreich.

Hier ein paar Eindrücke

Die kleinen Unterschiede

Am meisten Freude habe ich auf meinen Reisen immer an den kleinen Unterschieden. Die Produkte im Supermarkt, die es nicht in Deutschland gibt oder auch Verhaltensweisen die einfach anders sind. Das fasziniert mich sehr und zeigt mir immer wieder, dass eigentlich nichts wirklich gegeben ist, sondern sich meist aus irgendeinem Grund in der Vergangenheit einfach so ergeben hat. Das hilft mir sehr mein Gehirn frisch zu halten und auf der Suche nach Innovationen und Verbesserungen alles grundsätzlich zu hinterfragen

SEO Consulting & Agency in the UK

Die SEO-Agenturen arbeiten offenbar komplett anders, als bei uns. Mein Tischnachbar während des Advanced JavaScript SEO Seminars am Vortag erzählte mir, dass es üblich ist eigene Account Manager zu beschäftigen, die ausschließlich für die Kommunikation mit dem Kunden zuständig sind und fachlich garnicht selbst am Projekt arbeiten (und dies auch garnicht könnten). Das hält einerseits den SEOs den Rücken frei und ermöglicht es auch nicht so kommunikationsstarken Mitarbeitern einen guten Job zu machen, führt allerdings auch zu Reibungs- und Kommunikationsverlusten und teilweise enormen Overhead. Ich habe auch schon von Agenturen in Deutschland gehört, die so arbeiten, aber selbst noch nie eine solche, weder auf Kundenseite noch als Mitarbeiter erlebt.

Was haltet ihr davon?

Linkbuilding is still huge in the UK

Anyway, lasst uns beim SEO bleiben: Wie man im Messebereich der BrightonSEO klar erkennen kann, ist man in England bzw. dem United Kingdom nicht so verspannt, was Linkbuilding als Dienstleistung angeht. Dort bekommt man schon am Eingang den ersten Flyer in die Hand mit einer derben, aber doch witzigen Botschaft und passenden Angeboten:

Wie gut diese Dienstleistungen sind, kann ich natürlich nicht beurteilen. Allerdings hat es mich sehr an die Jahre vor 2012, also vor dem ersten Penguin-Update in Deutschland erinnert. Hat eigentlich niemand damals die Verlierer bei google.co.uk analysiert? Ich konnte bei meinen Recherchen nichts über das Penguin-Update in England finden?!

Bitte lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Infrastruktur und Sanitär

Besonders aufgefallen ist mir in England der wirklich schlechte Zustand der Infrastruktur, was sicherlich mit der Privatisierung und daraus resultierender Kostenvermeidung der Bahn zu tun hat. Leider haben die Meisten noch nicht begriffen, dass es langfristig sehr viel teurer ist auf einer maroden Infrastruktur zu operieren, aber das sehen wir bei der Deutschen Bahn ja auch.

Dazu verstehe ich nicht, wieso man im Jahr 2019 immer noch ZWEI WASSERHÄHNE an jedem Waschbecken hat?! Einer für EXTREM HEIßES und der Andere für SAU KALTES Wasser. Daneben klebt meist ein ‘Caution very hot’ Aufkleber. Aber auf die Idee mal eine Mischbatterie zu montieren kommt dennoch niemand. Very British

Genauso british scheint es zu sein, Roststellen einfach dick mit Lack zu überpinseln. Wird schon halten. Es werden selbst feine Ornamente aus der viktorianischen Zeit so oft überpinselt, bis alles glatt, rund und plump aussieht.

Silikonieren können die Briten offenbar auch nicht, dafür lässt sich englisches Sanitärsilikon offenbar überstreichen…

Ich bin typisch Deutsch, oder?

Die Slides und Videos der BrightonSEO

Beim Sponsor SiteVisibility kann man die meisten Speaker-Slides herunterladen und auch einen Teil der Vorträge als Aufzeichnungen anschauen: https://www.sitevisibility.co.uk/blog/2019/09/14/brightonseo-slides-september-2019/

  • Kai Spriestersbach gehört mit mehr als 15 Jahren Online-Marketing-Erfahrung zu den erfahrensten Suchmaschinen-Marketern in Deutschland. Der studierte Bachelor of Science in E-Commerce hat sich auf die strategische Beratung sowie Ausbildung und Weiterbildung in Digitalem Business sowie Web- und Suchmaschinen-Technologien spezialisiert. Als Dozent ist er sowohl für die 121WATT – School of Digital Marketing & Innovation als auch für die Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt im Fachbereich E-Commerce tätig. Daneben unterstützt Kai Spriestersbach gerne innovative Startups, ist als Affiliate-Publisher tätig und entwickelt und vermarktet digitale Produkte im Bereich WordPress, SEO und Online-Marketing.

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Micha
Gast
Micha

Ich mag das Konzept eines Account Managers auf Agentur Seite nicht sonderlich. Aktuell haben wir selbst diese Situation und ich habe immer das Gefühl, dass ich mich nicht mit dem kompetentesten Partner auf der anderen Seite austausche.

Als gerade erst Google seine neuen Arten für Links bekanntgegeben hat, da hat sich die SEO Community regelrecht überschlagen (z.B auf Twitter.) Wenn ich dann der Agentur eine Mail bzgl dessen Schreibe (ca. 11 Uhr), dann ist ein “Oh das haben wir/ich noch gar nicht mitbekommen” nicht unbedingt das was ich hören will.

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Konferenz: Die Highlights der BrightonSEO September 2019

von Kai Spriestersbach Lesezeit: 8 min
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