Video: Die geheime Macht von Google – Die Story im Ersten

Google ist selbstverständlich für uns geworden. Jeder sucht bei Google, denn bei Google ist alles gratis. Rund 4 Milliarden Suchanfragen beantwortet die Suchmaschine pro Tag. Doch welche Auswirkungen hat das auf die Gesellschaft und vorallem die Wirtschaft? Missbraucht Google seine Macht? Diese Frage stellte heute die Story im Ersten mit dem Titel: Die geheime Macht von Google. Selbstverständlich habe ich mir den Bericht angesehen und nebenbei meine Gedanken dazu notiert:

Kay Oberbeck, ehemaliger Pressesprecher von Google Deutschland macht gleich zu Beginn der Sendung klar:

Google hat interne Richtlinien von Anfang an.
Don’t be evil. Kein Produkt darf jemanden übervorteilen.

Die Suche werde von 200 Faktoren gesteuert, die für die Suchmaschine als Signale gewertet werden, wie relevant ein Ergebnis für den Nutzer ist. Leider verkackt es die ARD an dieser Stelle und stellt ein wenig arg verkürzt dar:

Wer die meisten Links hat ist oben.

Mittlerweile haben immer mehr Unternehmen scheinbar Angst vor Google weil Google immer größere Bereich des Internets dominiert und machen daher Druck auf die Politik.

Rand Fishkin erklärt: „Googles Mission war die Informationen der Welt zugänglich zu machen. Mit dem Grundsatz: Tu nichts böses. Aber das hat sich geändert, auf eine interessante, aber auch traurige Art und Weise.“ und weiter sagt er: „Daten sind Macht: Wenn jemand weiß was ich alles suche, kann er sehr gute Werbung auf mich zuschneiden. Wenn aber nur Google das weiß, dann beherrscht Google damit diesen Werbemarkt.“

Das ruft die EU-Wettbewerbshüter auf den Plan. EU-Kommisarr Almunia hat schon Geldbußen verhängt. Er zwingt Google zu Änderungen, die dann aber auf Druck der deutschen Regierung wieder fallen gelassen werden. Denn Sigmar Gabriel will mehr. Da merkt man mal wieder, dass für die Politik das alles tatsächlich Neuland ist.

Auf die Frage wieso Google eigene Dienste in der Suche vor besseren Diensten der Konkurrenz positioniert, sagt Eric Schmidt, dass sich Google an die deutschen Gesetze halte, was gleich mal wieder unseren Siggi auf den Plan ruft. Denn der Siggi Pop will die Gesetze so ändern, dass er in den Algorithmus von Google gucken kann Einfach geil! Da bin ich gleich dabei! Wo muss ich mich anmelden? Reicht es schnell noch SPD-Mitglied zu werden?

Hinter den Kulissen läuft eine wahre Lobbyschlacht bei der EU-Kommision. Die einen behaupten das Grundrecht der Verbraucher auf Auswahl wäre beschränkt. Doch ich meine Konkurrenz gäbe es ja schon und Microsoft hat es mit bing doch selbst verkackt! Dann wird es richtig wild: Sigmar Gabriel will Google noch mehr abringen als Almundia bisher erreicht hatte auf EU-Ebene. Jetzt soll Google zerschlagen werden

Missbraucht Google seine Macht?

Für den unbedarften Nutzer ist es wirklich schwierig: Denn zugegeben, Google macht den Eindruck einer neutralen Instanz. Daher vertrauen wir Google. Auch beim Shopping. Die meisten Nutzer können die Werbung auf Google nicht erkennen, das finden die SEA-Profis ja gerade so geil… Aber natürlich muss auch Google Geld verdienen und kann seine Suche nicht kostenpflichtig anbieten, daher finde ich es nicht verwerflich, das anfangs sehr neutrale System aufzugeben und mit der Einführung Google AdWords Werbung anzuzeigen.

Was man durchaus kritisieren kann, ist die fehlende Transparenz im SEO

Robert M. Meier, Gründer der Shopping-Plattform Ladenzeile.de führt das Feld gegen Google an. Sein Traffic über die organische Suche nimmt ab und Google begründet dies mit einer Änderung des Algorithmus. Das Problem ist in der Tat, dass Google hier nicht exakt sagt wieso die Seite nun schlechter gefunden wird, so dass man dies beheben könnte.

Aber der Eindruck bleibt, denn wie es scheint, missbraucht Google seine Suchmaschinen-Macht um neue Dienste in den Markt zu drücken. Das Gefühl benachteiligt zu werden in den Suchergebnissen ist als Konkurrent von Google Shopping nur allzuverständlich. Hier hat die EU-Wettbewerbskommission immerhin schon erreicht, dass die Treffer nun besser ausgezeichnet werden sollen und von 8 Spots sollen die letzten drei für Konkurrenten reserviert werden, die dann dafür aber bezahlen müssen.

Mein Eindruck ist aber auch, dass hier plötzlich jeder, der sich benachteiligt fühl auf den Zug mitaufspringen will, denn etwas lächerlich finde ich den Versuch von Michael Weber, Gründer eines Internet-Kartendienstes gegen Google anzugehen, da die Suchmaschine seinen Lebenstraum zerstört habe.  Sein Unternehmen betrieb eine Webseite mit Kartendiensten. Er beschwert sich darüber, dass Google Maps in den Suchergebnissen so prominent eingebunden wurden und die Preise für Kartendienste gegen Null gehen.

Schaut man sich die Seite allerdings einmal an, wird wohl klar dass es nicht an Google Maps alleine liegen dürfte ;) Kerstin hat es auf Facebook auf den Punkt gebracht:

hot-map-com

Werbeüberladen, schlechte Bedienung und Benutzerführung, schlechte Kartenqualität, etc. pp. Naja, jedenfalls strebt der feine Herr nun gemeinsam mit anderen, wie auch Microsoft eine Klage bei EU-Wettbewerbskommission an.

Kann man Google etwas vorwerfen?

Google schaut immer mehr auf den Gewinn. Na und? Immerhin handelt es sich um ein börsennotiertes Unternehmen! Die Manager könnten sogar verklagt werden von den eigenen Aktionären, wenn sie NICHT im Sinne der Profitmaximierung handeln würden. Also um das Problem zu beheben müsste man schon ganz woanders ansetzen.

Klar, die Zahl der Werbeanzeigen steigt immer mehr, der Platz für die Werbung wird immer größer. Aber die Werbung ist eben auch so verdammt gut getargeted, dass man sie als Mehrwert wahrnimmt! Und die Kritik, dass man Werbung immer mit einem Produkt mit bezahlt, betrifft nicht nur Google, denn das ist in jedem anderen Kanal ebenso.

Google weiß mehr über uns als wir denken

Ja, Google sammelt personenbezogene Daten um noch besser Werbung auszuspielen. Mit Google Maps, Android, YouTube, der größten Videocommunity der Welt, die alleine 5 Milliarden Werbeeinnahmen in 2013 einspielt dominiert das Unternehmen nicht nur den Suchmarkt. 1 Milliarde Menschen pro Jahr benutzen YouTube, dabei haben gerade erst 2 Milliarden überhaupt Internet, und da es kein YouTube in China gibt, bedeutet dass, dass wirklich alle Internetnutzer bei YouTube gucken!

Noch nie hat ein Unternehmen so viel über uns gewußt. Google weiß wie wir leben und kann dadurch die lukrativsten Märkte rechtzeitig besetzen.

Google kennt unsere gesuchten Begriffe und besuchten Webseiten (Suchprotokolle), die Werbung die wir gesehen und geklickt haben und verfolgt uns mit Google Maps, Android und bald auch den Self-Driving-Cars. Welche Videos du schaust und welche E-Mails du schreibst wissen die schon lange … mit Nest wissen sie bald auch wer wann zu besuch kommt, wann wir Sex haben und und und… so entsteht ein umfassendes Profil von jedem Menschen auf diesem Planeten.

Ich glaube hier liegt die echte Gefahr!

Zentrale Profile in einer Hand – Ein leichtes diese von den Geheimdiensten abzuschöpfen oder sonst wem zu missbrauchen.

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Bei der Berliner Zeitung gibt es auch eine sehr treffende Kritik von Jonas Rest, der da schreibt:

Der Titel verspricht Enthüllung: „Die geheime Macht von Google“ hat der WDR die Dokumentation über den US-Internetkonzern betitelt. Tatsächlich fördert die Dokumentation allerdings nicht nur nichts Neues ans Licht. Sie setzt auch einen zweifelhaften Fokus – und muss sich vorwerfen lassen, die Zuschauer bewusst zu täuschen. […] Völlig ausgeblendet bleibt so die Frage, ob die Klage der Manager von Ladenzeile bis Hot Maps überhaupt im Interesse der Verbraucher ist: Was sollten sie davon haben, zweitklassige bis irrelevante Angebote eingeblendet zu bekommen, nur damit Konzerne wie Axel Springer mehr Profit machen? Selbst scharfe Google-Kritiker sehen das anders. Anstatt der Frage nachzugehen, was es bedeutet, wenn ein Konzern so viele Daten anhäuft wie noch kein Konzern oder Staat zuvor, reduziert die Dokumentation den gesamten Themenkomplex im Wesentlichen auf die Frage, wie Produktbilder von pinken High Heels angeordnet sind. Eine merkwürdige Entscheidung.

Dazu passt auch der sehr gute Gastbeitrag von Christopher Lauer, meinem Lieblingspolitiker bei der Zeit, der schreibt:

Das Internet als neutrale Infrastruktur tut erst mal gar nichts, außer seinen Nutzern zu ermöglichen, Dienste aufzubauen und Daten auszutauschen. Google eben ist ein solcher Dienst und ja, Google bedroht Medienkonzerne. Deswegen, weil Googles Geschäftsmodell das Geschäftsmodell ist, von dem die Medienbranche über Jahrzehnte gut lebte: Werbung. Das muss man sich in der emotional und polemisch geführten Debatte um Google immer wieder vor Augen führen: Es geht um den Verkauf von Werbung. Das Unternehmen generiert fast 100 Prozent seines Umsatzes damit. Da sind natürlich die Unternehmen, die sich früher über den Verkauf von Werbung finanziert haben, nicht erfreut, wenn ein neues Unternehmen ihnen einen Teil dieser Umsätze streitig macht.

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