Blogstöckchen: Interview mit 17 Fragen an Kai Spriestersbach

Für die Vorbereitung auf die Teilnahme in einem Podcast, habe ich eine Liste mit interessanten Fragen zu mir und meiner beruflichen Situation erhalten und mich dazu entschlossen, diese kurzerhand auch hier im Blog zu beantworten und damit ein neues Blogstöckchen zu starten! Bei einem Blogstöckchen geht es um eine Fragestellung oder einen ganzen Fragenkatalog, den sich ein Blogger ausdenkt, selbst beantwortet und dann an einen oder mehrere Blogger weitergibt, mit dem Ziel Blogs und Blogger besser miteinander zu vernetzen und dabei ein bestimmtes Thema gemeinsam zu beleuchten.

1. Wie hast du angefangen mit SEO?

Ich habe als Webentwickler bemerkt, dass man über gute Suchmaschinenoptimierung entscheidend zum Erfolg der Webseiten beitragen kann. Das hat mich wahnsinnig fasziniert und motiviert. Über das Thema „barrierefreie Webseiten“ bin ich auf technisches SEO gestoßen und über Foren und Blogs immer tiefer in die Welt der SEOs vorgedrungen. Ich habe Vieles einfach ausprobiert, eigene Tools programmiert und mittels Experimenten und eigenen Webseiten gelernt was wie wirklich funktioniert und was nicht.

Meinen Werdegang habe ich übrigens im Artikel “Wie wird man eigentlich SEO? Ein Beispiel für den Werdegang eines Suchmaschinenoptimierers ausführlich beschrieben“.

2. Wie viele Mitarbeiter habt ihr jetzt?

In der eology bin ich als freiberuflicher Mitarbeiter tätig. Dort sind wir mittlerweile mehr als 50 Mitarbeiter mit zwei Geschäftsführern. SEARCH ONE betreibe ich mehr oder weniger alleine. Ab und zu unterstützt mich mal meine Frau oder ich hole mir Unterstützung von Freelancern wie Saša Ebach, der mich seit einiger Zeit als Autor unterstützt.

3. Machst du auch Affiliate Marketing?

Ja, ich bin mit SEARCH ONE und ein paar kleineren Projekten noch aktiv.

4. Wie stehst du zu SEO aktuell?

SEO ist immer noch total geil und spannend, wenn sich die Schwerpunkte etwas verschoben haben. Google macht es einem natürlich nicht gerade leicht, ohne echte Relevanz, Budget und echten Mehrwert etwas zu reißen, daher mache ich nur noch Projekte, bei der die Voraussetzungen für einen Erfolg überhaupt gegeben sind.

5. Wie hast du für deine Agentur Neukunden akquiriert? Was ist aktuell der beste Weg für dich Neukunden zu generieren?

Für mich sind öffentlich Vorträge, Webinare, Whitepaper und mein Blog die wichtigsten Instrumente, damit potentielle Kunden mich und meine Arbeit kennenlernen und ich mich in deren Relevant-Set spielen kann. Aber das funktioniert natürlich nur, wenn man einen gewissen Hang zur Selbstdarstellung hat und keine Angst vor öffentlichen Auftritten. Einen Blog oder Podcast kann aber eigentlich jeder starten, auch wer wirklich introvertiert ist, bekommt es doch hin einen Text zu schreiben und diesen Online zustellen 😉

6. Was würdest du jungen Beginnern mitgeben die neu mit ihrem Online Business starten?

Eine solide Ausbildung halte ich für wirklich wichtig. Also nicht einfach blind in die Selbstständigkeit starten, sondern sich gezielt darauf vorbereiten und dahin entwickeln. Man braucht Kontakte, eine Vertriebsmasche oder Möglichkeit Aufmerksamkeit zu generieren, Betriebswirtschaftliche Kenntnisse und auch Erfahrung im Umgang mit Kunden. Das vergessen Viele, die nur auf fachliche Qualifikationen schauen und zum Beispiel direkt aus dem Studium starten.

Aus meiner Sicht ist eine Festanstellung auch kein Fehler. Man lernt erstmal 40 Stunden in der Woche zu arbeiten und sieht VON INNEN, wie der Organismus „Unternehmen“ funktioniert. Mir fällt schon auf, dass Selbstständige ohne vorherige Berufserfahrung zum Teil wirklich realitätsfremd sind und selbst einfachste Dinge nicht wissen/kennen. Gerade nach Abschluss eines Studiums ist man noch lange nicht ausgebildet für die Praxis. Man fängt danach ja erstmal mit dem Arbeiten an und daher macht ein Traineeship auch Sinn.

7. War dein Start im Online Marketing holprig oder leicht?

Da ich meine Leidenschaft zum Beruf gemacht habe und als Autodidakt bereits vor dem Start wahnsinnig viel Wissen aufgebaut hatte verlief mein Start wirklich ziemlich leicht. Meine Neugier und das Interesse an der Thematik hat mich immer weiter gebracht und dadurch hatte ich immer mehr Möglichkeiten als Sorgen.

8. Was würdest du heute anders machen?

Ich würde bereits von Anfang an in größeren zeitlichen Dimensionen denken und weniger auf kurzfristige Ziele schielen.

9. Auf welche unternehmerischen Dinge fokussierst du dich aktuell?

Ich muss lernen zu deligieren, also loszulassen und anderen Menschen die Chance geben mich zu entlasten und mich vielleicht auch mal positiv mit deren Lösung zu überraschen. Bislang denke ich leider, dass ich das meiste schneller und besser hinbekomme, wenn ich es selbst mache – aber so kann ich niemals etwas größeres aufbauen. Außerdem bin ich gerade dabei neue Strukturen zu schaffen, damit ich nicht mehr so viel als einsamer Webworker arbeite, sondern wieder mehr im Team und mit anderen Menschen gemeinsam coole Dinge bewirken kann.

10. Welche Bücher und Ressourcen kannst du empfehlen?

Als Unternehmer wirklich weiter gebraucht haben mich die drei Bücher von Stefan Merath, sowie das Lean Startup Buch von Eric Riess. Aber ich höre insgesamt sehr viele Hörbücher und unzählige Podcasts zu allen möglichen Themen um mich permanent weiter zu entwickeln.

Meinen Twitter-Feed habe ich lange Zeit als eine Art RSS-Reader benutzt und darüber bekomme ich auch heute noch die wichtigsten SEO-News mit. Leider mischt sich dort auch immer öfters mein Interesse an Politik hinein, was mich des Öfteren mal ablenkt oder über den Zustand der Welt ranten lässt.

11. Würdest du SEO Anfängern raten zuerst in einer Agentur zu lernen / arbeiten bevor sie was eigenes machen?

Absolut. Es gibt keinen Ort, wo man in kürzerer Zeit mehr über SEO lernt, als in einer guten Agentur. Wenn man gute Kollegen und tolle Kunden hat, bringt einen das in kürzester Zeit mega weiter. Inhouse hat man oft keinen Austausch und ist als SEO der einsame Ritter, daher denke ich dass man zumindest für ein paar Jahre in einer Agentur gearbeitet haben sollte, bevor man ins Unternehmen oder in die Selbstständigkeit wechselt.

12. Gibt es etwas dass du den Lesern mit auf den Weg geben willst?

Lernt programmieren! Es gibt keine bessere Zauberkraft um echt geile Dinge zu erschaffen und damit auch noch gutes Geld zu verdienen.

Generell würde ich sagen: Investiert in Euch und in Eure Weiterbildung.

13. Gibt es eine Geheimtechnik im SEO die du teilen magst?

Hahaha! Dann wäre sie ja nicht mehr geheim 😉 Aber ihr solltet definitiv stärker und intensiver über Wege nachdenken, das Suchverhalten von Menschen so zu beeinflussen, dass es Euch oder Euren Kunden hilft. Und dann mit Kreativität sowohl die naheliegenden Dinge, als auch die absurderen Geschichten einfach mal ausprobieren 😉

14. Was würdest du machen, wenn du mit 0€ neustarten müsstest?

Ich starte im Grunde jeden Tag mit 0 EUR. Meine Projekte und alles was ich tue entsteht immer im Bootstrapping ohne Anfangsinvestition. Also ich würde anfangen zu lernen wie man eine Webseite gestaltet, programmiert, erfolgreich macht und damit Geld verdient und dann genau das umsetzen.

In unserer Branche braucht man ja nicht mehr als Fleiß, Motivation, Interesse, Know-How, einen Laptop und Internet um erfolgreich zu sein!

15. Was ist dein Ziel für die kommenden Jahre?

Über mein berufliches Ziel kann ich zum jetzigen Zeitpunkt leider noch Nichts verraten 😉 Ich habe mir aber vorgenommen deutlich mehr zu chillen und zu reisen. Die letzten 15 Jahre waren wirklich anstrengend – ich habe immer Vollgas gegeben. Nun habe ich erreicht was ich mir vorgenommen habe. Sogar das nebenberufliche Studium und den Hausbau abgeschlossen. Daher ist es an der Zeit die Welt zu sehen, langfristige Themen anzugehen und das Leben zu genießen.

16. Wie ist deine Work Life Balance?

Ich bin eine extreme Eule, also bleibe immer sehr lange wach. Nachmittags und Abends bin ich sehr viel produktiver, daher stehe ich selten vor 9 Uhr auf und Frühstücke meist entspannt mit meiner Frau. Ab 10 Uhr wird gerockt! Von 15 bis 16 Uhr mache ich meistens eine Mittagspause, manchmal auch kürzer oder länger und Abends wird wieder gerockt, meist bis 20 oder 22 Uhr, manchmal aber auch bis tief in die Nacht. Da ich aber auch nicht mehr der Jüngste bin, gönne ich mir des Öfteren auch mal einen freien Tag und lege wieder mehr Wert auf Reisen und Auszeiten.

17. Welches Company Setup würdest du Anfängern empfehlen?

Startet ganz normal als Kleinunternehmer mit einer Einzelunternehmung mit einer guten beruflichen Haftpflichtversicherung statt einem GmbH-Mantel oder einer UG. So könnt ihr die Gewerbesteuer auf die Einkommenssteuer anrechnen lassen und spart eine Menge Gründungs- und Steuerberaterkosten.

Eine gute Berufshaftpflichversicherung schützt Euch aus meiner Sicht sogar besser vor größeren finanziellen Risiken, als die Haftungsbeschränkung der GmbH.

Danach kommt es extrem drauf an, wo man hinwill und was man erreichen will, ob man auf Fremdkapital angewiesen ist, oder aus eigener Kraft wachsen kann, oder vielleicht einfach mit dem zufrieden ist, was man erreicht hat.

Blogstöckchen: FANG!

Ich reiche das Blogstöckchen weiter an: Julian Dziki, Martin Missfeldt und Sören Eisenschmidt – Drei ehemaligen SEO-Bloggern, von denen ich gerne mal wieder ein paar persönliche Zeilen und die Beantwortung dieser 17 Fragen lesen würde 🙂

Update: Gefangen!

Martin war mit seiner Antwort der schnellste. Er schrieb als nicht-Dienstleister-SEO in seiner charmanten Art vieles das ich so erwartet habe. Leider spürte ich sehr viel Frust, der Martin seit den letzten Core Updates begleitet, aber ich glaube er ist da schon wieder auf einem guten Weg, wenn man sich seine Aussagen im letzten Podcast anhört 🙂

Besonders schmunzeln musste ich bei seiner Antwort auf die Frage: Wie viele Mitarbeiter habt ihr jetzt?

Keinen! Es ist stressig genug mit mir …

Vielen Dank auch an Julian Dziki, der letzte Woche auf mein Blogstöckchen geantwortet hat.
Der arme hat mit zwei Cent Stundenlohn im ersten halben Jahr angefangen. (Ja, das hat er wirklich rückwirkend ausgerechnet.) 😀 Aber zum Glück läuft es mittlerweile deutlich besser bei Ihm 🙂

Besonders spannend fand ich folgende Aussagen:

  1. Für Julians Agentur sind der Blog und Empfehlungen zufriedener Kunden das wichtigste Marketinginstrument!
    “Immer schon über unseren Blog, der vor ein paar Tagen (am 18. Januar) zwölf Jahre alt geworden ist. Außerdem mittlerweile auch sehr viel über Empfehlungen unserer Kunden – das ist meiner Meinung nach auch der beste Weg.”
  2. “Denke langfristig. Dann hast Du auch langfristig Erfolg.”
  3. “Du kannst gar nicht genug wissen. Lese Bücher, gehe auf Konferenzen und lerne nie aus!”
  4. “Investoren zu haben ist nicht immer eine gute Sache. Nichts ist umsonst und am besten ist es immer, wenn man es ohne fremde Kapitalhilfe schafft.”
    Ohhh ja! Investorengeld ist immer das teuerste Geld, denn Du gibts dafür einen Teil deiner Firma und deiner Freiheit ab!
  5. Ohne Fleiß kein Preis: “Ich habe anfangs aber auch 14 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche gearbeitet.” Mir ging es in den ersten Jahren ebenso.
  6. “Versucht immer offen gegenüber Neuem zu bleiben. Denkt kritisch über Entwicklungen und Methoden nach und übernehmt nicht alles, bloß weil es gerade Trend ist. Seid Euch selbst immer treu.” <3 Cannot agree more.
  7. In Sachen Work Life Balance ist Julian mit seiner Agentur wirklich ein Vorbild für die Branche! “Wenn ich nicht einmal meine eigene Zeit gut managen kann, wie soll ich das denn dann mit der Zeit meiner Teammitglieder tun?” ist eine super Aussage, ebenso “Außerdem geht es ja nicht darum, wie viel man arbeitet, sondern wie viel man in der Zeit leistet, die man arbeitet.” WORD!

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