Neue Studie: Wirken Links von Traffic-starken Seiten besser?

Im Blog des SEO-Tools ahrefs ist ein sehr spannender Artikel zu einer internen Studie erschienen, dessen Methodik und Erkenntnisse ich hier kurz wiedergeben möchte: Das Reasonable Surfer-Patent von Google lässt ja bereits seit längerem vermuten, das Links, die auch tatsächlich von Nutzern geklickt werden, also Traffic liefern, stärker wirken könnten – oder gar Links, die nie geklickt werden, gar nicht mehr gewertet werden könnten.

Wieso diese Studie, wie jede andere Ranking-Faktoren-Studie eigentlich Bullshit ist, schreibe ich am Ende dieser Zusammenfassung.

Da ahrefs auf den besten Linkdaten sitzt und seit einiger Zeit auch Trafficdaten im Tool zur Verfügung stellen, haben sie mal ein paar Zahlen zusammen gezogen und drei spannende Auswertungen angestellt, um der Antwort auf die Frage „ziehen Links, die geklickt werden stärker?“ (zumindest ein wenig) näher zu kommen.

Toll finde ich, dass die Kollegen von Anfang an sehr transparent mit den Daten und der Methodik umgehen und explizit auf mögliche Fehler und Biases hinweisen. Natürlich betonen sie auch nochmals den Umstand, dass Korrelationen keine Kausalität beweisen.

So ist zu beachten, dass ahrefs nur den organischen Traffic der verweisenden Seiten berücksichtigen konnte, nicht aber andere Traffic-Quellen wie z.b. Social, Paid oder Direct-Traffic! Außerdem basieren die Trafficdaten auf Hochrechnungen und Schätzungen auf Basis von Suchvolumen und CTR-Daten. Man könnte also an dieser Stelle, aus wissenschaftlicher Sicht, die Studie von vorne herein anzweifeln, aber auch hier sind die Autoren sehr offen und ehrlich:

Was die Frage aufwirft: Wenn die Studie von Anfang an fehlerhaft ist, warum sollte man sich dann überhaupt die Mühe machen?

Dort werden dann folgende Gründe genannt:

  1. Weil etliche Leute in der SEO-Community wollen, dass wir es tun;
  2. Weil jemand später auf dieser Studie aufbauen könnte (wir helfen Ihnen gerne weiter);
  3. Weil wir es können.
  4. Ich bin auch daran interessiert zu sehen, ob unsere etwas „fehlerhaften Daten“ noch helfen können, interessante Anomalien aufzudecken.

Also, all das berücksichtigt, was sagen die Zahlen?

Studie 1: Backlinks von Seiten mit organischem Traffic vs. Rankings

Es wurden 44.589 (non-branded) Keywords mit einem monatlichen Suchvolumen zwischen 2.000 und 5.000 betrachtet. Hierfür wurden jeweils die Top-10 gezogen und geschaut, wie gut die folgenden Metriken mit der Ranking-Position jeder Seite korrelieren (Spearman):

Backlinks from pages with organic traffic vs. rankings
Backlinks from pages with organic traffic vs. rankings

Hier würde man ja erwarten, dass die Anzahl der Links von Seiten mit Traffic eine stärkere Korrelation hat als die Gesamtzahl der Links – Was aber nicht der Fall ist.

Dabei wurden Keywords von der Stichprobe ausgeschlossen, bei denen keine URL mindestens einen Backlink mit Traffic hatte.

Dennoch gibt es ein paar interessante Beobachtungen:

Erstens ist die Korrelation für die Anzahl der „dofollow“-Backlinks etwas schwächer als die der Gesamtzahl der Backlinks. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass Google wenige nofollow-Links von starken Seiten eher als positiv wertet, wie viele Links von eher schwachen Seiten. Aber dazu sollte man diesen Faktor nochmal isoliert betrachten!

Zweitens hat die Summe des organischen Traffics auf den verweisenden Seiten eine höhere Korrelation als die Anzahl der verweisenden Seiten mit Traffic. Dies deutet darauf hin, dass die gezogene Schwelle von mehr als 100 Besuchen ziemlich willkürlich ist und dass Links von wirklich starken verweisenden Seiten deutlich mehr Gewicht haben als Links von Seiten mit ein bisschen Traffic.

Ich finde die Betrachtung der URLs innerhalb der Top 10 auch für sehr fraglich, weil ich davon ausgehe, dass in den Top 10 viel stärker nach CTR und anderen Faktoren sortiert wird, als durch Backlinks. Eine Analyse der Top 50 oder zumindest Top 25 wäre hier nochmal deutlich interessanter!

Studie 2: Backlinks von Domains mit organischem Traffic vs. Rankings

Als zweite Studie wurde die Korrelation dann auf Domainebene ausgewertet, statt auf URL-Ebene und das kam dabei heraus:

Backlinks from domains with organic traffic vs. rankings
Backlinks from domains with organic traffic vs. rankings

Die vielleicht auffälligste Beobachtung hier ist, dass die Korrelation bei der Anzahl der verweisenden Domains mit Traffic nicht höher ist als bei der Gesamtzahl der verweisenden Domains. Das ist ziemlich überraschend.

Das gleiche Bild zeigt sich, wenn es um die Summe des Traffics auf verweisende Domains im Vergleich zur Gesamtzahl der verweisenden Domains geht. Es gibt praktisch keinen Unterschied in den Korrelationen, so dass es scheint, dass die Menge des organischen Traffics einer verweisenden Domain wenig Einfluss auf den Wert eines Links habe.

Zum Schluß gibt es noch ein paar Einsichten in die verwendeten Daten, wie zum Beispiel: Wie viele dieser SERPs hatten überhaupt Ergebnisse mit Links von verweisenden Seiten mit Traffic?

How common are “links with traffic” across the studied SERPs?
How common are “links with traffic” across the studied SERPs?

Es sieht also stark danach aus, als ob „Links mit Traffic“ unter den Top-Ranking-Seiten garnicht so verbreitet sind, wie man zunächst annehmen würde. Es gab nur 20 SERPs, bei denen alle Top-Ranking-Seiten mindestens einen Link mit dem Traffic hatten. Das ist einer von 2.229. Darüber hinaus hatte für etwa 1/5 der SERPs keine der Top 10 rankenden Seiten überhaupt Links von Traffic-starken Seiten.

Sehr schön finde ich das Zitat von Albert Einstein zum Schluß:

Keine Anzahl an Experimenten kann beweisen, dass ich richtig liege; aber ein einziges Experiment kann beweisen, dass ich falsch liege.

Fazit

Das Doofe an Ranking-Faktoren-Studien ist, dass diese im Grunde genommen unterhaltsam sind, aber keine echte Erkenntnis für die Arbeit als SEO liefern. Denn sie bergen eigentlich keine Überraschungen, sondern bestätigen (vermeintlich) im besten Falle irgendwelche Vermutungen, Behauptungen oder Erfahrungswissen. Wenn Sie dann doch etwas (vermeitlich) neues zu Tage fördern, wie damals mit der Nummer, Facebook-Likes wären das neue SEO-Gold, dann wird die Studie anschließend zu Recht methodisch kritisiert und der Hinweis auf Kausalität und Korrelation macht jegliche Erkenntnis zunichte. Ebenso wie in der Epidemiologie dienen diese Art von Datenanalysen bestenfalls zur Generierung von Hypothesen, niemals aber zum Beweis dieser.

Methodisch hat diese konkrete Ahrefs-Studie dann auch noch etliche Schwäche, wie zum Beispiel der Umstand, dass eigentlich der Traffic, der über den Backlink auf die verlinkte Seite gelangt, laut Reasonable Surfer Modell zu untersuchen wäre, nicht einfach der Search Traffic der verlinkenden Seite. Aber dabei ist – wie immer – mal wieder das Problem, dass diese Daten eigentlich nur jemand hat, der Internet-Nutzer im großen Stil beim Surfen durch das Web belauscht, also zum Beispiel Google, Facebook und die ISPs. Zudem wird, wie eigentlich in jeder dieser Studien so getan, als wäre bei jeder Art von Suchanfrage die Suchmaschine mit den gleichen Rankingfaktoren zu Gange, was nachweislich Bullshit ist.

Und was meint ihr dazu?

  • Kai Spriestersbach gehört mit mehr als 15 Jahren Online-Marketing-Erfahrung zu den erfahrensten Suchmaschinen-Marketern in Deutschland. Der studierte Bachelor of Science in E-Commerce hat sich auf die strategische Beratung sowie Ausbildung und Weiterbildung in Digitalem Business sowie Web- und Suchmaschinen-Technologien spezialisiert. Als Dozent ist er sowohl für die 121WATT – School of Digital Marketing & Innovation als auch für die Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt im Fachbereich E-Commerce tätig. Daneben unterstützt Kai Spriestersbach gerne innovative Startups, ist als Affiliate-Publisher tätig und entwickelt und vermarktet digitale Produkte im Bereich WordPress, SEO und Online-Marketing.

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Nicolas Sacotte

Guter Artikel Kai! Ein weiteres großes Problem solcher Studien: da werden irgendwelche SERPs analysiert, aber nicht branchenspezifisch geclustert…. D.h. man schert Finanzen, Reisen, Shopping, Zwerghamsterzucht und sonstige in keinster Weise verwandten Themengebiete über einen Kamm. Google hat aber (leider) derart viele Daten, dass je nach Branche und/oder Cluster eigene Rankinggesetze gelten! Insbesondere beim Thema Links….. Es gibt Branchen und Cluster, die naturgemäß recht häufig verlinkt werden, aber eben auch andere, die alle paar Jahrhunderte mal nen Link bekommen. Und dann ist da ja auch noch das gute alte „Henne/Ei Problem“, was Google meiner Meinung nach gerade bei der Linkbewertung (bzw. Spameinschätzung) einsetzt: eine Webseite muss doch erstmal besucht werden, damit jemand die URL referenziert/verlinkt. Da hat Google eben auch genug Daten, um das ziemlich genau auszuwerten….. Vereinfacht erklärt: es gibt eine Traffic-Link-Ratio je nach Branche oder Cluster. Nehmen wir „Finanzen“, da fällt dieses Verhältnis sicher eher sehr gering aus. Beispiel: von 100.000 Besuchern verlinkt vielleicht gerade mal einer…. Miese Ratio, aber durchaus branchenintern anwendbar für Google. Als Gegenbeispiel kann man irgendwelche Tech&IT-Projekte nehmen… hier wird vermutlich viel öfter verlinkt, was sicher der Attraktivität des Themas, aber auch den potentiellen (weiter verbreiteten) Linkerati geschuldet ist. Und dann ist da ja auch noch der Umstand, dass URLs (oder Brands grundsätzlich), die bereits in den Top10 ranken, einfach auch häufiger verlinkt werden (weil sie bei der Suche nach Referenzlinks von den Linkerati „gefunden“ werden“). Auch da gelten wieder ganz andere Gesetze, als für neue Projekte, die gerade erst sehr langsam an Sichtbarkeit gewinnen.… Weiterlesen »

Mario Jung

Spannend! Das muss ich mir mal richtig anschauen.

Passend dazu: Ich habe bei meinem SEO-Day-Vortrag 2017 ein sechsmonatiges Projekt mit einer Domain ausprobiert, wo eigentlich sehr klar wird, dass Links mit Traffic einen enormen Einfluss haben.
Klar kleine Stichprobe, klar niedriges Niveau… aber es gibt einen Vergleich zur Auswirkung mit Links, die wenig Traffic haben.
Ich stelle dir mein Projekt gerne mal vor. Deine Meinung würde mich interessieren, auch wenn es bei weitem nicht so wissenschaftlich aufgesetzt war.

Gruß,
Mario

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