Bessere Lesbarkeit im Netz mit dem Text-Analyse-Tool

Nach meinem Artikel über Neuro-Rhetorik habe ich mich noch ein wenig intensiver mit den Themen Lesbarkeit und Texte im Netz beschäftigt. Es gibt zahlreiche Erkenntnisse aus der Forschung, was einen Text besser lesbar macht. Wie es der Zufall will, hat sich ein alter Freund von mir diesem Thema besonders verschrieben!

Gidon Wagner ist Journalist und Texter und hat es sich zum Ziel gesetzt, Texte im Netz besser und nutzerfreundlicher zu machen.

Aber nicht nur das. Er möchte das Netz und dessen Inhalte freundlicher, direkter, ja menschlicher gestalten. Behörden, Redaktionen und Unternehmen sollen sich nicht mehr hinter Passivkonstruktionen verstecken. Autoren sollen weniger Arbeit haben. Gidon will das Netz transparenter und ehrlicher machen. Als leidenschaftlicher Texter leidet Gidon seit Jahren unter schlechten und schlecht lesbaren Texten. Deshalb hat er ein Tool entwickelt, das Menschen helfen soll, bessere Texte zu schreiben.

2012 kam die erste Version heraus – seit 14 Tagen ist nun die Version 2.0 des Tools live, die sich offenbar stark am englischen Vorbild, der Hemingway App, orientiert.

WORTLIGA Textanalyse 2.0

WORTLIGA Textanalyse-Tool 2
WORTLIGA Textanalyse-Tool in Version 2

Die neue WORTLIGA Textanalyse prüft Texte auf Verständlichkeit, Prägnanz und Ästhetik. Als Maßstab verwendet das Tool die Grundlagen des Hamburger Verständlichkeitskonzepts. Dieses wurde Anfang der 1970er Jahre an der Universität Hamburg von drei Psychologen entwickelt. Danach unterscheiden sich leicht und schwer verständliche Texte in einer Fülle von Einzelmerkmalen, die in vier Gruppen eingeteilt werden können.

Wie werden Texte besser lesbar?

Die vier Merkmale der Verständlichkeit lauten: Einfachheit, Gliederung/Ordnung, Kürze/Prägnanz und anregende Zusätze.

  1. Einfachheit bedeutet: Der Autor benutzt geläufige Wörter, die jeder Leser kennt, vorzugsweise konkrete, anschauliche, „lebendige“ Wörter. Falls sich ungewöhnliche Ausdrücke nicht vermeiden lassen, werden sie erklärt. Die Sätze sind kurz. Nebensätze stehen vor oder nach Hauptsätzen, nicht mittendrin.
  2. Gliederung/Ordnung: Am Anfang stellt der Autor klar, worum es geht. Er bringt die einzelnen Gesichtspunkte in eine sinnvolle Reihenfolge und verdeutlicht, wie die Sätze sich aufeinander beziehen. Diese innere Ordnung des Textes spiegelt sich in der äußeren Gliederung wider – durch Absätze, Zwischenüberschriften, Hervorhebungen, Zusammenfassungen.
  3. Kürze/Prägnanz: Bei extremer Kürze/Prägnanz ist jedes Wort notwendig. Das Gegenteil ist Weitschweifigkeit. Für die Verständlichkeit am besten: kurz, aber nicht extrem kurz. Ein wenig Redundanz, also dasselbe noch einmal anders gesagt, ist willkommen.
  4. Anregende Zusätze: Der Autor verwendet kleine Zutaten, die den Sachverhalt lebendig werden lassen, die Lust am Lesen fördern, den Leser bei der Stange halten – auch wenn der Inhalt vielleicht gar nicht so spannend ist. Aber das geschieht sparsam, damit sich das Wesentliche nicht im Beiwerk verliert.

Quelle: Wikipedia

Das Tool hilft Textern also dabei, verständlichere, prägnantere Texte zu schreiben, und spart damit wertvolle Zeit. Aber Vorsicht: Das Tool ersetzt natürlich nicht das Vier-Augen-Prinzip, also den Blick eines erfahrenen Redakteurs oder eines Lektorats. Am Schluss bewertet also stets am besten ein Mensch, ob der Text ansprechend ist.

Bitte folge aber nicht stur den Vorschlägen des Tools. Es ist NICHT das Ziel, ALLE Markierungen zu entfernen und herauszuschreiben! Am Ende solltest Du Dir ein eigenes Bild machen. Viele Texter nutzen das Tool sogar als Word-Ersatz und schreiben ihre Texte direkt in der Textanalyse, anstatt sie ganz am Ende zu prüfen und mühsam umzuschreiben. So erhältst Du unmittelbares Feedback und lernst dabei immer einfacher zu formulieren.

Ich habe das Tool direkt mal mit einigen meiner Texte ausprobiert. Dazu muss ich sagen, dass ich bei Anleitungen und Fachtexten nicht so gut zurechtgekommen bin wie bei Werbetexten und Storytelling.

Bei meinen Blogartikeln verwende ich zum Teil ganz bewusst eine anspruchsvolle Fachsprache (und damit exzessiv den Nominalstil), um mich präzise auszudrücken und den Schwerpunkt auf die Übermittlung von Wissen und Fakten zu legen. Hier könnte ich wahrscheinlich mit eingeschobenen Beispielen und Geschichten die Lebendigkeit noch erhöhen.

Begriffe wie „Neurowissenschaftler“, „Suchmaschinenoptimierung“ und „Kommunikationstrainer“ sind dem Textanalyse-Tool zu lang – hier wüsste ich allerdings nicht, wie ich mich kürzer ausdrücken sollte.

Zudem schreibe ich gerne, wie mir der Schnabel gewachsen ist, was auch heißt, dass ich sehr lange Satzkonstruktionen verwende. Ich mag keine kurzen Sätze. Die empfinde ich eher als langweilig. Wirken meist ein bisschen abgehackt. Merkst Du, was ich meine? Vielleicht muss ich hier noch einen eigenen Rhythmus entwickeln, der auf kürzeren Sätzen basiert. Mir sind meine ultralangen Spaghetti-Sätze durchaus bewusst und manchmal ein Dorn im Auge.

Das Tool im Test – Lesbarkeit verbessert?

Während meines Tests sind mir noch ein paar unausgereifte Aspekte aufgefallen, die ich direkt als Verbesserungsvorschläge an Gidon übermittelt habe. Diese werden nun peu à peu in das Tool einfließen. Der Algorithmus macht zum Teil noch ein paar Fehler, sodass beispielsweise passive Sprache angezeigt wird, ohne dass der Satz eine Passivkonstruktion enthält. Zur Sicherheit noch einmal: Es geht nicht darum, jede Markierung aus dem Text zu entfernen! Das Tool macht lediglich Vorschläge zur Verbesserung und das finde ich sehr hilfreich!

Zum Vergleich habe ich meine Frau gebeten, einen Absatz aus einem ihrer Blogartikel in Gidons Tool zu werfen und möglichst viele der Empfehlungen umzusetzen. Damit wollte ich quasi das Extrem zeigen – was natürlich nicht dem Ideal entspricht.

Hier kommt das Ergebnis:

Vorher

Wortliga Textanalyse - Vorher
Test-Text aus dem Blog meiner Frau (von herzbotschaft.de), unbearbeitet. Schlecht lesbar?

Nachher

Wortliga Text-Analyse Nachher
Test-Text aus dem Blog meiner Frau (von herzbotschaft.de), überarbeitet. Besser lesbar?

Ich muss sagen: Der Text ist so wirklich besser lesbar. Ich kann ihn viel leichter verstehen und das Gehirn ist irgendwie entspannter beim Lesen. Wie geht es Dir damit?

Probier es selbst aus!

Was kostet das Textanalyse-Tool?

Das Tool kannst Du mit Texten bis 1.300 Zeichen kostenlos testen.

Mit der Textanalyse Premium ab 4,90 EUR im Monat (bei jährlicher Zahlung) kannst Du Texte in unbegrenzter Länge analysieren und bekommst noch dazu Trainingsvideos, Checklisten und Leitfäden von Gidon Wagner für bessere Texte und zufriedene Leser, Kunden und Chefs. Das Tool wird stetig weiterentwickelt. Vorhandene Funktionen werden verbessert, neue Funktionen kommen laufend dazu.

Für Redaktionen oder größere Unternehmen gibt es eine günstige Volumenlizenz mit 20 Anwendern für 49 Euro bzw. 294 Euro pro Jahr. Das sind natürlich Nettopreise und richten sich an Unternehmer und Selbstständige. Sehr fair finde ich auch die Kündigungsfrist, denn es gibt keinerlei Vertragslaufzeit, das bedeutet, wenn Du vor der nächsten Verlängerung kündigst, setzt sich das Paket nicht fort.

Video: Erklärung und Empfehlungen für die Benutzung

Gidon hat sich nach meinen vielen Rückmeldungen dazu bereit erklärt, das Tool und seine Gedanken und Ideen dazu in einem kurzen Video für Euch zu erklären und anhand eines Beispiels aus Simons Artikel über Ladezeiten-Monitoring die Benutzung zu erläutern. Vielen Dank dafür!

Ich bin natürlich kein Profi, wenn es um das Schreiben von Texten geht. Hier merkt man einfach, dass Gidon sich sehr viel mehr Gedanken rund um die Wirkung von Texten macht und auch viel mehr Möglichkeiten hat, sich und seine Gedanken auszudrücken. Ein echter Autor halt.

Und hier der Vorher-nachher-Vergleich seiner Überarbeitung:

Textanalyse-Tool vorher nachher Vergleich
Textanalyse-Tool Vorher-nachher-Vergleich von einem Profi

Was meint Ihr? Findet Ihr den Text vorher oder nachher besser? Vielleicht kommt es auch auf die Zielgruppe an?

  • Kai Spriestersbach gehört mit mehr als 15 Jahren Online Marketing Erfahrung zu den erfahrensten Suchmaschinen-Marketern in Deutschland. Der studierte Bachelor of Science in E-Commerce hat sich auf die strategische Beratung sowie Ausbildung und Weiterbildung in Digitalem Business, sowie Web- und Suchmaschinen-Technologien spezialisiert. Als Dozent ist er sowohl für die 121WATT – School of Digital Marketing & Innovation, als auch für die Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt im Fachbereich E-Commerce tätig. Daneben unterstützt Kai Spriestersbach gerne innovative Startups, ist als Affiliate Publisher tätig und entwickelt und vermarktet digitale Produkte im Bereich WordPress, SEO und Online Marketing.

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Gidon Wagner

Hallo Kai, danke für den ausführlichen Test! Wir werden das Tool mit all dem Feedback unserer Nutzer weiterentwickeln, das ist gerade alles erst der Anfang. :-) Ich kann jedem empfehlen, den Versuch zu machen und mit dem Tool zu schreiben. Ich bearbeite meinen Text ganz anders, ich schreibe ihn anders. Als säße mir jemand auf der Schulter und würde mir Tipps geben: Hey, schau, das hier könntest du noch besser, noch griffiger schreiben…. auch wenn ab und zu Fehlmeldungen drinnen sind.. Google ist auch noch nicht perfekt und liefert echt gute Ergebnisse.

Das Tool ist für mich auch wie ein Mentor.. Alleine dadurch, dass wir uns bewusster mit der Sprache beschäftigen, werden die Texte anders, besser, klarer… Und die meisten Meldungen sind ja bereits korrekt :-)

Viel Erfolg weiterhin mit Search-One! Das wird was Großes :-))

Bessere Lesbarkeit im Netz mit dem Text-Analyse-Tool

von Kai Spriestersbach Lesezeit: 6 min
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