World Usability Day Würzburg 2014 Recap

WUD 2014Am letzten Donnerstag fand der 10. World Usability Day weltweit statt und da auch Würzburg seit ein paar Jahren mit von der Partie ist, war ich im Zentralen Hörsaal- und Seminargebäude der Universität Würzburg dabei.

Für diejenigen unter Euch, die noch nie etwas vom WUD gehört haben: Der World Usability Day wurde 2005 von der User Experience Professionals’ Association (UXPA) ins Leben gerufen und findet seitdem jedes Jahr im November statt. An diesem Tag gibt es weltweit Veranstaltungen, die die unterschiedlichsten Aspekte von Usability und User Experience beleuchten. Ziel ist es, die Bedeutung hoher Usability auch außerhalb der Fachwelt bekannt zu machen und Einblicke in die mit Usability-Themen befassten Berufsfelder und Forschungszweige zu gewähren.

Der World Usability Day in Würzburg wird von der German UPA gemeinsam mit regionalen Vertretern aus Forschung und Wirtschaft veranstaltet.

Die Vorträge des World Usability Day Würzburg 2014

Usability Problems: Classic, Modern & Contemporary

Dr. Tobias Grundgeiger, Lehrstuhl Psychologische Ergonomie, Universität Würzburg

Dr. Grundgeiger zeigte in einer sehr gelungenen Einleitung, wie das Thema Usability historisch überhaupt entstanden ist und führte damit auch etliche Begriffe ein, die in den späteren Vorträgen dann nicht mehr explizit erklärt werde mussten. Die Entwicklung der Usability-Forschung von der Kognitionspsychologie hin bis zum heutigen User Centered Design Modell war dabei kurzweilig und sorgte teilweise für schöne Aha-Effekte, beispielsweise beim Problem der Post Process Errors, wenn man die EC-Karte im Automat vergisst, nachdem man sein Bahn-Ticket bereits erhalten hat.

Nutzerorientierte Fahrerarbeitsplatz-Entwicklung im Lkw

Dr. Britta Michel,  MAN Truck & Bus AG

Ein sehr schönen Einblick in die Praxis lieferte die Sonderpädagogin Dr. Britta Michel vom “Forschungszentrum Fahrerarbeitsplatz“ der MAN Truck & Bus AG. Die Analyse von Bedürfnissen, Arbeitsabläufen und Verhalten mit LKW-Fahrern im Feld ist dabei wichtiger Bestandteil der nutzerorientierten Fahrerarbeitsplatzentwicklung bei MAN. Der Vortrag zeigte konkrete Beispiele, mit Hilfe welcher Methoden und Werkzeuge der Lkw-Fahrer optimal in den Entwicklungsprozess integriert wurden.

Usability ist nicht alles – aber wenn man nicht an alles denkt, wird’s auch nichts!

Claus Knapheide, Siemens Health Services

Hier wurden wirklich dicke Bretter gebohrt Das SIEMENS-Team hat vor 6 Jahren begonnen eine neue Bedienoberflächen für das Produkt i.s.h.med (ein Krankenhausinformationssystem für Ärzte und Pflege) zu gestalten und musste dabei nicht nur intern eine Menge Überzeugungsarbeit leisten, sondern auch zwischen den Anforderungen der Bestandskunden und des Vertriebes abwägen und immer wieder abgewogene Entscheidungen so vorausschauend treffen, dass die damit festgelegten Ziele über einen Zeitraum vom 20 Jahren gelten können. Als Fazit kann man zusammenfassend sagen: Gutes UI ist möglich, wenn man die Herzen und Hirne der Beteiligten erreicht.

UCD und Change Management

Henning Brau, UID

Aus meiner Sicht der schwächste Vortrag des WUD. Herr Brau hatte leider eine englische Präsentation mitgebracht, die auf 90 Minuten angelegt war und wies im Vortrag auch noch mehrfach darauf hin, dass in den zur Verfügung stehenden 20 Minuten ja garnicht möglich ist alles zu besprechen. Diese Unzufriedenheit des Referenten übertrug sich auch auf die Zuhörer und so konnte das Thema von Anfang an nicht so recht begeistern.

Narrative Interaktionsmodelle und die Kraft der Emotionen

Prof. Erich Schöls, Steinbeis-Forschungszentrum Design und Systeme & Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Ein sehr schöner Vortrag über die Faszination von guten Geschichten. Bislang hatte ich das Thema Storytelling im Kontext Usability noch garnicht wahrgenommen, aber Prof. Schöls zeigte, wie konzentriert Menschen Handlungen verfolgen und sich merken, wenn man eine interessante Geschichte dabei erzählt. Obwohl unsere Wahrnehmung zunehmend unter den wachsenden Informationsmengen leidet, treffen narrative Modelle ganz offensichtlich immer noch unsere Neugier und unser uneingeschränktes Interesse. Es ist also nur naheliegend, diese Methoden auch bei komplexen Interaktionsaufgaben zu berücksichtigen, da dadurch eine bessere Akzeptanz, ein besseres Verständnis und eine emotionalere Verbindung zum Inhalt zu erwarten ist.

Hieraus habe ich mir einige Impulse für meine eigenen Workshops und Seminare mitnehmen können, damit komplexe Sachverhalte besser bei den Teilnehmern im Gedächnis verankert werden können.

Mit User Research zur Sozialen Innovation

Jan Preßler, CaderaDesign

Ein sehr cooler, motivierter Vortrag über die Entwicklung einer Plattform für das soziale Engagement von Studenten bei älteren Menschen. Jan zeigte im schnellen Überblick, wie das Gewinnerprojekt der Usability Challenge 2014 der Gesellschaft für Informatik entstanden ist und wie dabei die verschiedenen User Research Methoden geholfen haben, Menschen in einen Designprozess zu involvieren, sie zu faszinieren und schlussendlich zu inspirieren.

Fazit

Insgesamt kann man von einer sehr gelungenen Veranstaltung sprechen. Die Vorträge waren zwar für meinen Geschmack mit 20 Minuten etwas kurz, aber das Programm hatte bis zu einem gewissen Punkt eine innere Logik, so dass jeder Sprecher auf dem Gesagten seines Vorredners aufbauen konnte und nicht jeder Vortragende alle Begrifflichkeiten erneut einführen musste. 

Persönliche habe ich einige tolle Impulse aus den Vorträgen mitgenommen. Besonders interessant waren für mich die Herangehensweisen der großen Unternehmen wie MAN und SIEMENS/SAP bei der Implementierung des Themas User Centered Design in die Unternehmensorganisation/-Philosophie. Da wurden richtig dicke Bretter gebohrt

Für einen Überblick oder erstmaligen Einstieg in das Thema ist die Veranstaltung hervorragend geeignet. Ich hoffe dass es der WUD schafft in Zukunft auch Unternehmen und Personen zu erreichen, die bislang noch nicht damit zu tun hatten. Wir sehen uns im nächsten Jahr beim WUD 2015

 

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